Die Luege der gruenen Energiewende – Kolumne zu versteckten Kosten
Ich nenne es nicht gerne eine Luege. Aber es ist zumindest eine gruendliche Halbwahrheit, die seit Jahren gepflegt wird: Die Energiewende wird auf lange Sicht billiger. Erneuerbare werden guenstiger. Der Wind weht umsonst. Klingt gut. Stimmt sogar – teilweise. Aber was dabei verschwiegen wird, ist erheblich.
Die Wahrheit: Sonnen- und Windenergie sind an sich kostenlos. Die Infrastruktur, die sie nutzbar macht, ist es nicht. Netze muessen ausgebaut werden, um Strom von windreichen Kuesten und sonnenreichen Sueden in die Industriezentren zu transportieren. Speicher muessen entwickelt und finanziert werden, weil die Sonne nachts nicht scheint. Back-up-Kapazitaeten muessen vorgehalten werden, fuer die Tage, an denen Wind und Sonne schweigen. All das kostet. Und diese Kosten landen – wenig ueberraschend – in den Stromrechnungen der Haushalte.
Die versteckten Milliardensummen
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Allein der Netzausbau verschlingt bis 2030 voraussichtlich 100 Milliarden Euro. Die sogenannten Suedlink- und Westlink-Trassen kosten bereits das Doppelte der urspruenglich geplanten Summen. Hinzu kommen Investitionen in Wasserstoff-Infrastruktur, Batteriespeicher und flexible Gaskraftwerke. Experten schaetzen die Gesamtkosten der Energiewende auf 500 Milliarden Euro bis 2050.
Diese gewaltigen Summen werden ueber verschiedene Kanaele an die Verbraucher weitergereicht. Die EEG-Umlage wurde zwar abgeschafft, aber die Foerderung erneuerbarer Energien laeuft weiter – nur ueber andere Toepfe. Netzentgelte steigen kontinuierlich, weil die Betreiber ihre Investitionen refinanzieren muessen. Gleichzeitig treiben schwankende Strompreise an der Boerse die Kosten fuer Regelenergie in die Hoehe.
Wer zahlt wirklich?
Ein Durchschnittshaushalt mit 3.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch zahlt heute rund 1.400 Euro fuer Strom. Davon entfallen Steuern, Abgaben und Netzentgelte auf fast zwei Drittel. Die eigentliche Energiebeschaffung ist guenstig geworden – der Rest nicht. Gleichzeitig sind Grossabnehmer von vielen dieser Abgaben befreit. Das Ergebnis: Normalverbraucher subventionieren die Industrieproduktion – im Namen des Klimaschutzes.
Besonders bitter: Waehrend Haushalte immer tiefer in die Tasche greifen muessen, profitieren energieintensive Unternehmen von Ausnahmeregelungen. Sie zahlen deutlich weniger fuer Netzentgelte und sind von der Stromsteuer weitgehend befreit. Diese Privilegien sollen die Wettbewerbsfaehigkeit der deutschen Industrie sichern – faktisch fuehren sie zu einer sozialen Schieflage bei der Finanzierung der Energiewende.
Europas teuerstes Stromsystem
Deutschland hat heute die hoechsten Strompreise in Europa. Waehrend Frankreich auf Kernenergie setzt und Norwegen auf Wasserkraft, experimentiert Deutschland mit dem komplexesten und teuersten Energiesystem des Kontinents. Die Folgen sind messbar: Deutsche Verbraucher zahlen doppelt so viel wie ihre franzoesischen Nachbarn.
Studien zeigen, dass die Strompreise auch nach dem vollstaendigen Ausbau der erneuerbaren Energien hoch bleiben werden. Der Grund: Die hohen Fixkosten fuer Netze, Speicher und Reservekapazitaeten muessen auch dann finanziert werden, wenn Wind und Sonne optimal funktionieren. Diese Grundlast an Kosten macht guenstigen Strom zu einem Mythos.
Fehlende Transparenz schadet dem Projekt
Das eigentliche Problem liegt nicht in den hohen Kosten der Energiewende, sondern in deren mangelhafter Kommunikation. Politiker versprechen sinkende Energiepreise, ohne die Nebenkosten zu erwaehnen. Sie reden von kostenloser Sonnen- und Windenergie, verschweigen aber die Milliardensummen fuer deren Integration ins Stromsystem.
Diese Intransparenz untergräbt das Vertrauen der Buerger in ein grundsaetzlich sinnvolles Projekt. Wer ehrlich ueber Kosten spricht, schafft Akzeptanz. Wer sie verschleiert, naehrt Zweifel und Widerstand.
Nicht gegen die Energiewende
Diese Kolumne ist kein Angriff auf Klimaschutz oder erneuerbare Energien. Die Transformation ist richtig und notwendig. Aber sie verdient eine ehrliche Kostenrechnung – und eine faire Verteilung der Lasten. Wer das einfordert, betreibt keinen Populismus. Er betreibt Demokratie.
Die Energiewende wird gelingen – aber nur mit Buergern, die verstehen, was sie kostet und warum sie trotzdem richtig ist.
