Damen-Tennis: Lohnkluft gegenüber Herren schrumpft weiter
Der Weg zur Lohngleichheit im Tennis ist lang – aber er führt in die richtige Richtung. 2026 haben sich weitere 14 ATP/WTA-Kombinationsturniere verpflichtet, Preisgeldparität einzuführen. Damit spielen inzwischen bei mehr als der Hälfte aller gemeinsamen Turniere Männer und Frauen um identische Preisgelder. Die vier Grand-Slam-Turniere tun dies schon seit 2007. Doch abseits der großen Bühnen klafft noch immer eine erhebliche Lücke.
Diese Entwicklung markiert einen wichtigen Meilenstein in der Geschichte des Profisports. Vor zwei Jahrzehnten waren geschlechtsspezifische Preisgelddifferenzen im Tennis noch die Regel. Wimbledon führte als letztes der vier wichtigsten Turniere erst 2007 die Gleichbehandlung ein – nach jahrelangen Protesten von Spielerinnen und Frauenrechtsorganisationen. Venus Williams hatte bereits 2005 öffentlichkeitswirksam kritisiert: „Das einzige Turnier, bei dem ich weniger bekomme als die Männer, ist Wimbledon.“
Auf den 250er- und 500er-Turnieren der ATP, wo die Preisgelder insgesamt niedriger sind, verdienen Männer noch durchschnittlich 30 Prozent mehr als Frauen. Begründung der Veranstalter: Die Männer-Turniere ziehen mehr Zuschauer und generieren mehr TV-Einnahmen. Kritiker halten dagegen, dass dies ein Henne-Ei-Problem ist: Höhere Investitionen in die Vermarktung des Frauentennis würden auch höhere Einnahmen generieren.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Während bei den Grand Slams bereits volle Gleichstellung herrscht, verdiente eine Spielerin auf einem ATP-250-Turnier im Jahr 2023 durchschnittlich 32.000 Euro für einen Erstrunden-Sieg, ihr männlicher Kollege erhielt 44.000 Euro. Diese Diskrepanz summiert sich über eine Saison zu sechsstelligen Unterschieden bei den Jahresverdiensten.
WTA unter neuer Führung dynamischer
Die WTA, nach einer turbulenten Phase rund um die Causa Peng Shuai strukturell geschwächt, ist seit 2024 unter neuer Führung wieder handlungsfähiger geworden. Neue Vermarktungspartnerschaften und ein überarbeitetes Medienformat haben die Sichtbarkeit des Frauentennis erhöht. Streaming-Daten zeigen, dass Damen-Matches bei bestimmten Plattformen sogar mehr Klicks generieren als Herren-Matches.
Die neue WTA-Strategie setzt verstärkt auf soziale Medien und digitale Plattformen. Während traditionelle Fernsehquoten weiterhin leicht zugunsten der Männer ausfallen, zeigt die jüngere Zielgruppe deutlich mehr Interesse am Frauentennis. Bei TikTok und Instagram erreichen Highlights von Damen-Matches regelmäßig höhere Interaktionsraten als vergleichbare Herren-Inhalte.
Deutsche Profiteurinnen der Entwicklung
Für Deutschland ist das eine erfreuliche Nachricht. Mit Lena Fischer und der aufstrebenden Junioren-Weltranglistenersten Mia Bauer hat der DTB Spielerinnen, die von einem höherem Preisgeldniveau direkt profitieren würden. Beide setzen sich öffentlich für Gleichstellung ein und sind damit auch Vorbilder über den Sport hinaus.
Der Deutsche Tennis Bund verzeichnet einen deutlichen Anstieg bei den Mitgliederzahlen im Mädchen- und Damenbereich. Experten führen dies auch auf die gestiegene Sichtbarkeit und bessere Verdienstmöglichkeiten zurück. Talentierte Nachwuchsspielerinnen sehen heute realistische Chancen, vom Tennissport zu leben – ein entscheidender Motivationsfaktor für Eltern und Spielerinnen gleichermaßen.
Strukturelle Gerechtigkeit als nächster Schritt
Beobachter fordern, das Thema über reine Preisgeld-Parität hinaus zu denken. Gleiches Reisekostenbudget, gleiche Stadion-Slotzeiten und gleiche Medienberichterstattung sind Faktoren, die mindestens so wichtig sind wie das Preisgeld selbst. Hier liegt noch erhebliches Potenzial – und die Veranstalter stehen zunehmend unter öffentlichem Druck, auch diese strukturellen Ungleichgewichte zu adressieren.
Ein konkretes Beispiel: Bei vielen Turnieren spielen Frauen noch immer bevorzugt in den weniger attraktiven Zeiten am Vormittag oder frühen Nachmittag, während Männer die begehrten Abend-Slots bekommen. Diese Praxis beeinflusst nicht nur die Zuschauerzahlen, sondern auch die Wahrnehmung der Wertigkeit des Frauentennis.
Die kommenden Jahre werden zeigen, ob der positive Trend anhält. Studien belegen bereits jetzt: Turniere mit Preisgeldparität verzeichnen einen Anstieg der weiblichen Zuschauer um durchschnittlich 15 Prozent – ein wichtiger Faktor für Sponsoren und Medienpartner, die zunehmend auf diverse Zielgruppen setzen.
